Wenn man auf Social Media Prolonged Fieldcare sucht, wird man erschlagen von einer Fülle von grünen Militärrucksäcken, speziellen Ampularien und Hängetaschen für den Verletzten-Sammelpunkt. Dazu kommen Zarges Boxen und Hardriggs für empfindliche Ausstattung. Die Wahl des richtigen Rucksacks oder Koffers ist aber keine Mode Entscheidung oder eine Marke, sondern vielmehr ein Kompromiss zwischen Gewicht, Stabilität und Größe. Der perfekte Medic Bag ist super robust, federleicht, riesig und handlich und somit leider unmöglich. Aber wie findet man den perfekten Kompromiss?
Militär vs. Zivil, Kurzer Einsatz vs. Langer Einsatz
Viele der Bilder, die von Messen und aus dem Ukraine Krieg auf uns hereinprasseln, zeigen Material, das in militärischen Casualty Collection Points genutzt wird, die oft über Monate bestehen und über gute Logistikstrukturen verfügen. Selbstverständlich passiert dort PPC/ PFC, aber als ziviler Akteur wird es kaum solch umfangreiche Strukturen geben. Und gleichzeitig ist es für Zivilisten auch eher unwahrscheinlich, dass man in einer solchen Situation mit einer so hohen Anzahl von Verletzten konfrontiert ist, so lange man nicht in Strukturen eingebettet ist. In diesem Artikel wird also nicht Ausrüstung besprochen, bei der aufgrund von guten Transportkapazitäten eh keine Rolle spielt, wie groß und schwer sie ist. Es wird eher von sehr begrenzten Kapazitäten und einer kleinen Gruppe ausgegangen.
Größe und Gewicht
Größe und Gewicht werden maßgeblich von der Art bestimmt, wie man sein Material transportieren will. Wenn es ins Ausland geht, ist das erste Nadelöhr vielleicht der internationale Flugverkehr. Bei einem überschaubaren Einsatz als medizinische Unterstützung für einen Reisegruppe oder Expedition, ist man auf 20 kg in Form eines Koffers beschränkt und der Rucksack für die Ausrüstung muss als Handgepäck durchgehen. Bei Offroad Expedition steht höchstwahrscheinlich als Platz ein oder zwei Kisten zur Verfügung, die zwischen 20-30kg wiegen dürfen. Wie bereits im Artikel über Logistik ist hier also maximale Einschränkung wichtig.
Robustheit
Wenn man sich die Planen Rucksäcke eines bekannten deutschen Herstellers anschaut, ist man ziemlich schnell begeistert, wie viel diese Rucksäcke aushalten. Bei etwa 10 Einsätzen pro Tag, bei denen die Rucksäcke getragen, grob gezerrt und immer auch geöffnet werden, ist man erstaunt, wie viel Material und Reißverschlüsse aushalten. Da diese Robustheit immer auch mit deutlichem Gewicht verbunden ist, muss man hier ketzerisch die Frage stellen: Braucht es das? Wie oft wird man den Rucksack im Einsatz benutzen? Nylon ist hier vielleicht nicht ganz so robust, moderne Laminat Materialien noch weniger, aber es bedeutet im Zweifelsfall mehr Ausrüstung oder eine weitere Strecke, die ein Rucksack getragen wird. Das gleiche gilt auch für Innentaschen und „Pouches“. Bunt mit großer Aufschrift im Schnellzugriff. Aber auch groß, schwer und oft nur selten benutzt. Hier gibt es auch leichtere Taschen aus dem Outdoorshop oder Vakuumverpackungen. Das heißt nicht, dass alles verschweißt werden sollte. Diagnostik wie Pulsoximeter und Blutdruckmanschette werden eigentlich bei jedem Patient gebraucht. Sie kommen in eine robuste Nylontasche. Das Set für die Notfallkoniotomie wird vakuumiert und ist so platz- und gewichtssparend verpackt.
Wasserdichte Verpackungen
Grundsätzlich sind 3 verschiedene Arten von wasserdichten Behältern gebräuchlich. Zunächst gibt es wasserdichte Säcke. Diese bestehen aus einem festen Planenmaterial, sind manchmal auch mit Schultergurten versehen und werden an der Öffnung umgeschlagen und dann mit einer Schnalle verschlossen. Wichtig ist hier, dass das Material etwas dicker gewählt wird. Es gibt zwar auch wasserdichte Säcke aus dünnem Nylongewebe, diese sind jedoch nur wenig robust und bekommen sehr schnell Löcher. Als zweites gibt es sogenannte Peliboxen oder Pelikoffer. Diese Koffer sind durch eine Gummidichtung absolut wasserdicht und praktisch unzerstörbar. Gleichzeitig sind sie immer klobig und haben ein beträchtliches Eigengewicht. Eine letzte wasserdichte Verpackung sind sogenannte Expeditions Tonnen. Diese werden wasserdicht verschraubt, sind etwas leichter als Peli Boxen, aber unhandlich. Da man aufgrund der Nachteile immer auch Kompromisse eingehen muss, haben sich in der Praxis zwei Herangehensweisen bewährt, wenn man sich zu Fuß bewegen muss. Entweder man verpackt seine gesamte medizinische Ausrüstung in einen wasserdichten (Ruck-) Sack (das empfiehlt sich bei Einsätzen am und im Wasser) oder man verpackt nur sehr empfindliche Teile der Ausrüstung in Peli Boxen die in einem normalen Rucksack transportiert werden. Dazu gehören zum Beispiel Medikamente und EKG.
The Grey Sani
Gegen die Verwendung von militärischen und Rettungs- Rucksäcken spricht auch die Aufmerksamkeit, die sie auf sich ziehen (siehe „die Grey Man Theorie„). Wenn man in einer Schlange an einem internationalen Flughafen steht, fallen olivgrüne Rucksäcke genauso auf wie ein Modell in Neongelb. Das kann bei einer Zollkontrolle oder aber auch bei dem Taschendieb im Gewimmel einer Großstadt ein deutlicher Nachteil sein. Wenn man hingegen mit Material reist, das von hunderten von Personen in dieser Umgebung verwendet wird, ist man deutlich weniger gefährdet. Und exakt der gleiche Satz gilt natürlich auch in der Ukraine. Ein Medevac Team in der Nähe der Front mag in oliv in einem Straßengraben besser geschützt sein. Aber halt auch nur da.

Kostengünstige Varianten
Bei all den Betrachtungen sollte man auch nicht den Preis aus den Augen verlieren. Ein Rucksack rettet kein Leben, Ausbildung und medizinisches Equipment schon. Man kann sich also durchaus Gedanken machen, ob ein (gebrauchter) ziviler Rucksack nicht auch für den geplanten Einsatz geeignet ist. Ähnliches gilt für die Wasserdichte Boxen, die oft gebraucht oder Noname angeboten werden.
Take Away Points
- Rucksäcke für Rettungsdienst und Militär sind nicht zwingend das beste Ausrüstungsmittel
- Inhalt, Einsatz und verfügbare Kapazitäten bestimmen im hohem Maße die Verpackung.
- Outdoor Gepäck ist oft besser geeignet
- Weniger ist mehr
