Prolonged Fieldcare aus der privaten Küche

Grundsätzlich stellt sich immer die Frage wie Nachschub in einer Prolonged Fieldcare Situation beschafft werden kann. Improvisation spielt dabei eine große. Material und Medikamente können „Off- Label “ genutzt werden und so Engpässe überwunden werden. Aber auch nicht medizinisches Material aus jedem Haushalt kann genutzt werden. Prolonged Fieldcare aus der privaten Küche ist also eine weitere Möglichkeit. Im folgenden werden einige der gängigen Möglichkeiten und Ressourcen dargestellt, die in fast jeder Küche zu finden sind. Die Methoden sind wissenschaftlich untersucht, wirksam, aber nicht völlig ohne Risiko. Wenn andere Mittel zur Verfügung stehen, die dem medizinischen Stand der Forschung eher entsprechen, sollte man diese nutzen. Im weiteren werden wir auf einige Methoden noch näher eingehen und weitere Artikel zu den vorgestellten Improvisationen verfassen.

Wundversorgung aus der Küche

Prolongend Fieldcare aus der privaten Küche
Dinge für den PFC Fall aus der Küche

Für die Wundversorgung bieten sich drei Lebensmittel an, die in praktisch in jeder Küche zu finden sind. Zucker wirkt osmotisch antibakteriell und kann Wundheilung unterstützen. Honig schafft genauso wie Zucker ein osmotisches Klima in der Wunde und gibt kleinste Mengen von Wasserstoffperoxid an die Wunde ab. Medizinischer Honig, ist im Gegensatz zu Haushaltshonig sterilisiert. Es sind aber keine Infektionen durch Haushaltshonig bekannt. Stark verdünnter Essig kann anaerobe Bakterien in der Wunde bekämpfen. Es dürfte klar sein, dass hier Essigessenz oder Essig ohne Zusätze von Kräutern zu nutzen ist. Aus reiner Chlorbleiche lässt sich Spüllösung für stark verschmutzte Wunden herstellen. Auch hier dürfen keine Zusätze vorhanden sein und die Lösung muss stark verdünnt sein. Eine weitere Ressource stellen Baumwollhandtücher und Microfasertücher dar. Baumwolltücher können ausgekocht und sterilisiert als Verbandmaterial eingesetzt werden. Mit Microfasertüchern lässt sich ein sogenanntes Wund Debridement durchführen. Die feinen Fasern lösen Schmutz und Biofilm und schließen die Fremdstoffe im Gewebe ein.

Hautpflege

Olivenöl, Kokosfett und im Zweifel auch Butter sind Möglichkeiten die Haut weich und geschmeidig zu halten und vor Austrocknung / Aufweichen zu schützen. Eine feine Emulsion aus gemahlenen Haferflocken hilf bei Ausschlägen und beruhigt die Haut bei Entzündungsreaktionen. Die Wirksamkeit von Essigbädern ist bei Fußpilzerkrankungen nicht abschließend erwiesen, im Zweifel aber sicher ein Versuch wert.

Infektionskrankheiten

Die heilende Wirkung von Tees und Gewürzen dürfte jedem eingängig sein. Auch wenn Sie nicht direkt die Ursache von Infektionen bekämpfen, lindern die Hausmittel oft die Symptome und haben einen großen psychologischen Effekt. Neben dem Trinken von Tees, sei hier noch die Inhalation bei Husten explizit erwähnt. Ein weiteres Hausmittel für weniger schwere Fälle ist Chilli. Chilliöle oder Creme mit Chilli unterdrückt den Schmerz bei leichten Muskelschmerzen (z.B. im Rücken). Langfristig ist Chilli aber keine Lösung. Abstand sollte man allerdings von der Nutzung irgendwelchen Tinkturen halten, die man lediglich aus einem Buch kennt und die nicht erprobt und validiert sind. Vielleicht hilft Tinktur XY bei bestimmten Beschwerden. Aber eine Notfallversorgung ist definitiv der falsche Moment es zum ersten Mal auszuprobieren.

Sterilisation

Eine normale Küchen Ausstattung bietet 2-3 Varianten Material zu „sterilisieren“. Aufgrund der Improvisation ist hier die Sterilisation in Anführungszeichen gesetzt, da die Methoden eben nicht perfekt sind. Zunächst besteht die Möglichkeit Material in einem normalen Topf abzukochen. Diese Methode ist nicht perfekt und stellt wirklich nur eine Notlösung dar. Mehr Sicherheit bietet die Dampfsterilisation im handelsüblichen Dampfdrucktopf. Hier Sind die Temperaturen höher und das Material hat im Idealfall kein Kontakt zu flüssigem Wasser. Weitere sehr gute Möglichkeit sind der Elektro Ofen, Air Fryer oder Grills. Hier können Materialien oder Instrumente trocken erhitzt werden. Viel hilft übrigens nicht immer viel. Material mit über 200° Grad zu backen oder Instrumente auf 170°Grad mehrfach zu erhitzen führt zu Schäden. Hier findet sich ein entsprechender Artikel der das Packen Vorbereiten von Sterilgut beschreibt.

Tools

Schubladen und Schränke sind voll mit nützlichen Gegenständen für den PFC/ PCC fall. Eine Wage hilf bei der Herstellung von Trinklösungen oder misst die Menge an aufgesaugtem Urin in einer Einlage. Einmachgläser und Boxen bieten viele Möglichkeit zur keimarmen Aufbewahrung von Verbandsmaterial. Schüsseln sind unverzichtbar in der Krankenpflege. Spannend ist auch die Besteckschublade. Eine gute Küchenschere ist jeder billigen Kleiderschere überlegen. Nudelzangen aus Edelstahl helfen bei dem aseptischen Arbeiten mit Verbandsmaterial und Besteck lässt sich zu chirurgischen Werkzeugen umarbeiten. Das heißt selbstverständlich nicht, dass eine Kartoffelschäler für die Behandlung von Brandwunden eigesetzt werden sollte, aber eine Gabel kann durchaus zum Wundspreizer werden. (siehe hier.)

Elektrolyte und Ernährung

Salz, Zucker und Backpulver dürften in fast jeder Küche zu finden sein. Ein entsprechender Artikel über die genaue Zusammensetzung von Oraler Hydrationslösung findest du hier. Aber selbst falls nicht. In Südostasien wird bei Durchfall oft Reiswasser zur Volumensubstitution gegeben. Und falls der Patient Spezialnahrung benötigt lässt sich natürlich auch hier viel aus handelsüblichen Nahrungsmitteln herstellen. Ein nützliches Werkzeug ist hier übrigens auch der handelsübliche Mixer um Essen zu pürieren.

Keyfacts

  • Dieser Artikel ist keineswegs umfassend oder abschließend. Er soll lediglich auf einige Möglichkeiten hinweisen, die sich schon jetzt in jeder privaten Küche bieten.
  • Gerade Zucker und Honig sind hervorragende Wirkstoffe in der Wundpflege die in vielen Ländern eigesetzt werden.
  • Chlor ist das Taschenmesser unter den Substanzen. Man kann Flächen desinfizieren, Wasser aufbereiten und Wunden spülen
  • Kombiniert man hingegen die Materialien einer Küche mit medizinischen Geräten, lässt sich die Küche aufgrund ihrer Möglichkeit zu Kochen, zu Kühlen und den wasserfesten, abwaschbaren Oberflächen zu einem kleinen Labor aufbohren, das die Fähigkeit Verletzte zu versorgen und zu diagnostizieren erheblich erweitert.

Quellen:

ICRC Nursing Guidelines

Wounds of Africa

Prolonged Field Care

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