Mit allen Wassern aufgefüllt- 4 Wege der Infusion im PFC/PCC Fall im Vergleich

Wenn man in Deutschland einen Rettungsdienstler über seinen bevorzugten Weg spricht, Medikamente oder Infusionen zu geben, wird seine Antwort (sofern er kein Sadist ist) I.V. lauten. Aber ist das auch im PCC oder PFC Fall so? Wir stellen hier 5 Wege vor den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und Vergleichen Sie.

Hinweis

Die nachfolgenden Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Zur Anwendung ist weitere Expertise notwendig, welche vorausgesetzt wird. Die Autoren übernehmen keine Haftung für falsche Anwendungen.

Was infundieren wir?

Man könnte sich jetzt mit lagen und oft dezidierten Erklärungen aufhalten. Die bittere Wahrheit ist: Das was da ist. Die Wahl zwischen NaCl, Vollelektrolytlösungen wie Sterofundin iso, Plasma, Plasmaexpander oder Vollblut ist oft nicht gegeben. Somit bleibt oft nur die 0,9% NaC bzw. Vollelektrolytlösungen als verfügbare Lösung im Notfall übrig. Ein zweiter, oft zitierter Lehrsatz, sagt vielleicht etwas über die Zukunft aus: Das was rausläuft, muss auch wieder rein! Dieser Satz beschreibt zum einen ziemlich klar welche Infusionslösungen bei bei Verbrennungen oder bei einer Sepsis nötig sind, zum Anderen ist er ein klares Plädoyer für Vollblutspenden bei Traumaopfern im PCC/PFC Fall. Aber weder Gesetzgebung noch Ausbildung sind in Deutschland soweit, das Sie spontane Vollblutspenden zu lassen.

Wie infundieren wir?

Intravenöse Infusion

Hier wird gebräuchlicher Weise mit einer flexiblen Kanüle eine Infusion mit Flüssigkeit/ Medikamenten direkt in die Vene appliziert. Der Wirkungseinritt ist sehr schnell, Flüssigkeiten stehen quasi dem Körper direkt zur Verfügung. Die Methode erfordert jedoch Übung und die Fähigkeit geht ohne Übung verloren. Die Methode setzt Material in Form von Kanülen und steriler Lösung voraus. Komplikationen treten auf, wenn der Blutdruck bereits soweit abgesunken ist, das Venen nicht mehr sicher an den Extremitäten Getastet werden können. Weitere Risiken sind Infektionen so wie die Verlegung von Kanülen. Ein venöser Zugang in einer Prolonged Field Care Situation benötigt Pflege.

Venenverweilkanüle im Prolonged Field Care

Eine Alternative zur Grafik ist diese Tabelle:

 Farbe Gauge  Durchfluss
Lila2619 [ml/min]
Gelb2422 [ml/min]
Blau2236 [ml/min]
Rosa2061 [ml/min]
Grün1896 [ml/min]
Grün-Weiß18103 [ml/min]
Weiß17128 [ml/min]
Grau16196 [ml/min]
Orange14343 [ml/min]

Intraossärer Zugang

Beim Intraossärer Zugang wird das Knochenmark durch den Knochen hindurch punkiert, gespült und anschließend für den Zugang und die Applikation von Infusionslösung und Medikamenten genutzt. Der Wirkungseintritt ist ähnlich schnell wie bei einer Intravenösen Infusion. Die Anforderungen an das Material sind deutlich höher als bei der „normalen“ Infusion. Neben steriler Lösung und Infusionsgerät benötig man je nach System einen Bohrer, spezielle Nadeln und eine Möglichkeit unter Druck zu infundieren. Die notwendigen Fähigkeiten zum legen des Zugangs sind allerdings wesentlich „gröber“ und müssen weniger geübt werden. Hinzu kommt das man nicht von dem Blutdruck des Patienten abhängig ist. Dem entgegen steht, dass die gesundheitlichen Risiken für den Patienten höher sind. Infektionen oder Embolien sind möglich und machen die Methode zur Ultima Ratio im normalen Rettungsdienst. Das Anspülen eines intraossären Zugangs ist sehr schmerzhaft, sodass bei einem wachen, ansprechbaren Patienten eine Analgesie notwendig ist.

Oral

Oral ist streng genommen natürlich keine Infusion. Aber das normale Trinken von oraler Hydrationslösung bietet einige Vorteile die in einer PFC/ PCC Situation voll zum Tragen kommen. Neben Wasser, Zucker und etwas Salz wird praktisch kein Material benötigt. Das Material muss nicht steril sein, die nötigen materiellen Voraussetzungen sind quasi immer geben. Einschränkungen gibt es in einigen Punkten. Der Patient muss wach sein und es dürfen keine Verletzung vorhanden sein, die der Aufnahme von Flüssigkeit entgegen stehen. Es dauert von allen vorgestellten Methoden am längsten, bis die zugeführte Flüssigkeit verfübar ist und die maximale Menge an Flüssigkeit ist auf 250ml pro 15 Minuten beschränkt. ( Hier findet sich das entsprechende Rezept)

Dermoklyse

Dermoklyse ist die Gabe von von Flüssigkeit durch subkutane Injektionen. Dabei wird Infusionslösung unter der Haut an das Gewebe abgegeben. Die Methode eignet sich hauptsächlich für dehydrierte Personen die sich noch nicht im Schock befinden. Diese Methode ist weniger schwierig zu erlernen und ist somit auch für Ungeübte geeignet. Infusion kann mit Butterfly Kanülen in die Bauchdecke, unter die Haut am Rücken oder am Oberschenkel abgegeben werden. In der Literatur werden Mengen zwischen 1-3 ml pro Einstichstelle und Minute angeben. Das ist bei bestimmten Patienten bei weitem nicht ausreichend, da hier schnell und viel Flüssigkeit zur Verfügung stehen muss. Die Menge lässt sich jedoch mit mehreren Einstichstellen steigern. Der Materialbedarf ist ähnlich eine intravenösen Infusion, bei mehreren Einstichstellen höher. Die Risiken in Bezug auf Infektionen dürften ebenfalls der intravenösen Infusion entsprechen.

Gekoppelte 3 Wege Hähne um Mehre Butterfy Kanülen anschließen zu können.
Gekoppelte 3 Wege Hähne um Mehre Butterfy Kanülen anschließen zu können.

Proktoklyse

Die Proktoklyse ist eine sehr alte Methode der Flüsssigkeitssubstutition. Über ein Schlauch wird die zu verabreichende Flüssigkeit rektal zugeführt. Dabei wird der Schlauch etwa 20 cm eingeführt und der Patient liegt auf der Linken Seite. Die Flüssigkeit läuft langsam, ohne Druck, ein und wird dann im Darm aufgenommen. Die Methode lässt sich durch ein Darmrohr verbessern, das sich per Ballon blocken lässt. Ein Ausschlusskriterium sind traumatische Verletzung im Bauchraum. Neben dem geringen Materialbedarf (die Flüssigkeit kann unsterile orale Lösung sein, das restliche Material lässt sich mit einer Trinkblase improvisieren) ist die Methode ohne Übung durchführbar und relativ harmlos. Es besteht aber das Risiko den Darm zu verletzen oder so viel Flüssigkeit einzuleiten, das es zu einem Einlauf kommt. Dann steigt der Flüssigkeitsverlust weiter an.

Auf einen Blick….

ArtMenge an medizinischem MaterialVorteileRisikenWirkungseintritt
Intravenöse ZugangModeratSchnellster Wirkungseintritt bei moderatem RisikoInfektionen, Stichverletzungsofort
Intraossärer
Zugang
HochSchneller Wirkungseinritt bei höherem Risiko, auch bei KreislaufstillstandInfektionen, Stichverletzungsofort
OralKein MaterialKein Infektionsrisiko, keine30min
DermoklyseModeratModerates Risiko, ohne Übung machbarInfektionen, Stichverletzung20-30min
ProktoklyseKann improvisiert werdenGeringes Risiko, ohne Übung machbarDarmverletzung20 min

Keyfacts

  • Auch an orale Gabe von Flüssigkeit denken um Ressourcen zu sparen.
  • Infusionsset um Butterfly Kanülen erweitern um ungeübten Teammitgliedern für den Notfall Handlungsoptionen zu geben.
  • Eine Proktoklyse ist oft auch ohne spezifisches Material möglich.

Quellen

  • Infusionen und Injektionen, Urban und Fischer 2018
  • Improvised Medicine Fiel Guide , College of Remote and Offshore Medicine 2026
Prolonged Field Care

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Bildquellen

  • PFC-intravenöser-zugang: © https://prolongedcasualtycare.de
  • Indfusionsset: © https://prolongedcasualtycare.de

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