Der Rettungsdienst ist im deutschsprachigen Raum eine auf kurze Zeit angedachte Lösung. Medikamente und Verbandsmaterial sind in Menge und Umfang klar für die kurze Zeit zwischen Behandlung und Transport geplant. Einwegartikel mit klar definiertem Zweck sind so verpackt, dass sie schnell und einfach erreicht werden können. Und neben vielleicht 1 l Wasser in einer Flasche und etwas Glukosegel findet sich wohl kaum etwas zum Essen oder Trinken im Fahrzeug. Und selbst für den Katastrophenfall wird anders geplant und gedacht. Spezialisten übernehmen Versorgung und Verpflegung, während die Helfer am Patienten nur retten sollen. Aber PFC ist kein schneller Sprint, sondern ein Marathon.
Versorgung im Vergleich zum Militär
Anders sieht es hier beim Militär und anderen isoliert operierenden Kräften aus. Hier stellt die persönliche Ausrüstung ein gewisses Maß an Durchhaltefähigkeit und Nachhaltigkeit sicher. Jeder Soldat verfügt im Biwak über Zelt, Wasser oder Wasserfilter, Verpflegung und angepasste Kleidung. Um zumindest eine grundsätzliche Resilienz aufrechtzuerhalten, sollte man sich zumindest das zum Vorbild nehmen, um unter schwierigen Bedingungen helfen zu können. Dabei kann man seine mögliche persönliche Ausrüstung mit der eines Soldaten vergleichen und die besonderen Bedarfe hinzu addieren.
Schutz
Zunächst einmal benötigen Helfer und Patient Schutz vor den Elementen. Je nach Klima und Jahreszeit kann das Winterkleidung, Regenjacke oder auch Moskitonetz und Sonnensegel sein. Hinzu kommen die besonderen Bedürfnisse des Patienten. Wärmeerhalt und die Möglichkeit der Pflege erzwingen umfangreichere Maßnahmen in diesem Bereich. Der einfache Sommerschlafsack und die aufgespannte Plane entsprechen vielleicht nicht den Bedürfnissen des Patienten. Und auch ein kleines Zelt ist zu beengt, um dauerhaft gut zu arbeiten.
Wasser
Unter günstigsten Bedingungen benötigt der menschliche Körper etwa 1,5 Liter Trinkwasser pro Tag. Diese Bedingungen wird man aber praktisch nie Vorfinden. Körperliche Arbeit und Hitze lassen den Bedarf beim normalen Helfer schon um ein Vielfaches ansteigen. Beim Patienten kommt dann Wasser hinzu, das für die Behandlung benötigt wird. Eine Wundspülung benötigt 3–5 Liter Wasser und einfache tägliche Körperpflege 2–3 Liter Trinkwasser. Rechnet man jetzt mit einem Team von 4 Personen in einem gemäßigten Setting und einem Verletzten, ergeben sich schnell 20 Liter Wasser pro Tag. Das sind Mengen, die lediglich in Fahrzeugen transportiert werden können oder vor Ort aufbereitet werden müssen.
Nahrung
Als Bedarf Kalorien pro Tag kann man wieder einen Vergleichswert des Militärs heranziehen. Eine sogenannte EPA (Ration für einen Tag für eine Person) umfasst 3,800 kcal und wiegt etwa 1,2 Kilogramm. Zwar lässt sich diese Packung noch umpacken und vielleicht aufpeppen, aber 1kg für Essen pro Tag und Person sind durchaus realistisch. Man könnte im Übrigen das Gewicht auch noch weiter reduzieren, indem man eher gefriergetrocknetes Essen verwendet, hat dann aber das Problem, dass hier wiederum Wasser und Brennstoff zur Zubereitung verwendet werden müssen. Hinzu kommen auch hier spezielle Bedürfnisse des Patienten. Hochkalorische Flüssignahrung, Grundlagen für einfach zu verdauende Nahrung oder auch nur eiweißreiche Nahrung erfordern unter Umständen besondere Planungen.
Energie und Brennstoff
Die Behandlung von Patienten erfordert Brennstoff und Energie. Akkus für Lampen und medizinische Geräte müssen geladen oder ausgetauscht werden, Wasser muss entweder durch Abkochen nutzbar gemacht oder auch nur als Wärmequelle erhitzt werden.
Zwanzig Liter Wasser benötigen etwa 1 Liter Benzin zum Erhitzen (hier: Benzin-Rechner für Wintertouren – Winterfjell.) Hinzu kommt nach Witterung eine wie auch immer geartete Heizung.
Batterien für eine Stirnlampe oder ein Pulsoximeter, sind sicherlich nicht der Rede wert. Handelt es sich aber wirklich um eine Situation mit einem PatienPatienten,eatmet werden muss und mit Sauerstoff versorgt werden muss, wird man ohne Generator nicht mehr auskommen.
Medizinische Ausrüstung
Die medizinische Ausrüstung wird in verschiedenen Beiträgen auf dieser Seite immer wieder behandelt (Die 10 Kernkompetenzen des Prolonged Fieldcare – Prolonged Field Care), sodass hier nicht noch einmal darauf eingegangen wird. Wichtig ist allerdings eine Definition, die sich in der CPG- Prlonged Casualty Care wiederfindet.
| Role | Definition | Zeitraum |
| 1a | Getragen/Am Einsatzort/Rucksack | < 1Stunde |
| 1b | Missionsspezifische Transportplattform/Lkw | 1–4 Stunden |
| 1c | Einsatzunterstützungsstandort/Haus | >4 Stunden |
| 1d | Evakuierungsplattform/Flugzeug (wie geplant oder verfügbar) | Kein Zeitrahmen |
Hier ist also eine klare Zeitvorgabe gegeben, die bestimmt, wie lange an welchem Ort behandelt werden soll. Die oben beschriebenen, notwendigen Versorgungsmaterialien müssen also nach diesem Plan keineswegs zum Patienten gebracht werden. Es geht vielmehr darum, so schnell wie möglich in die nächsthöhere Versorgungseinrichtung zu wechseln, um die entsprechende Logistik zu ermöglichen.
Die Entwicklungen in der Ukraine zeigen natürlich, dass diese Zeiten inzwischen immer weniger eingehalten werden können. Zum Teil werden hier Soldaten im Schützengraben über sehr lange Zeit versorgt. Das bedeutet aber nicht, dass die Vorderungen überholt sind, sondern zwingt eher dazu, die Logistik so zu verstärken, dass die notwendigen Mittel vorhanden sind. So wird in der Ukraine unter anderem Blut mit Drohnen geliefert.
Ähnliches gilt für eine Katastrophe oder einen Unfall in der Wildnis. Hier muss Improvisation und kurzfristige Planung fehlende Logistik ausgleichen oder ergänzen. Die aufgebrochene Berghütte wird zum House, Holz ersetzt Benzin und Batterien werden über eine Autobatterie geladen.

Rechenbeispiel- ein Best Case
Gehen wir jetzt von einem Unfallopfer auf einer abgelegenen Straße aus, das womöglich eine Böschung hinuntergerutscht ist. Bei der Erstversorgung stoßen 4 Personen zu dem Verletzten vor und bringen ihn zu einer tiefer gelegenen Straße. Dies dauert etwa 1 Stunde. Die Aufgabe ist anstrengend und erfordert pro Person 2 Liter Trinkwasser. Hinzu kommen Volumenersatzmittel für den Verletzten im Umfang von 500 Gramm, vielleicht noch ein Schlafsack, eine Trage, sowie weiteres medizinisches Material. Nahrung und Treibstoff sowie Ersatzbatterien sind zunächst nicht nötig. Das Netto-Gewicht für diesen Einsatz wird sich also bei um die 20 kg bewegen, wenn kein Sauerstoff und keine Werkzeuge nötig sind. Dabei kommt hinzu, dass die „Verpackung“ noch dazugezählt werden muss. Ein Rucksack wiegt alleine schon gern mal 3 kg, ein Planenrucksack mit Innentaschen eher 5 kg.

Bei der folgenden Autofahrt von 4 Stunden bietet es sich an, etwas zu Essen sowie weiterhin Wasser zu sich zu nehmen. Das sind also pro Helfer weitere 2,5kg. Heizmaterial ist bei ausreichender Versorgung mit Frischwasser nicht nötig.
Medizinisch kann im Fahrzeug natürlich deutlich mehr passieren. Beatmung, Monitoring und das Geben von Blutkonserven mit Kühlung und Erwärmung umfassen hier wesentlich mehr Material. Grob geschätzt liegt das Gewicht hier bei 30-40 kg. Das Gewicht dürfte hier wahrscheinlich nicht der limitierende Faktor sein, sondern mehr die Größe des Fahrzeugs. Grob: Ein 4-Mann-Team wird man kaum mit einem liegenden Patienten in einem Kombi transportieren können. Hier braucht man also 2 Fahrzeuge oder einen Minibus/Transporter.
Je nach Aufenthaltsdauer entstehen die wirklichen Logistikprobleme somit der Role 1c. Hier werden die Behandlungen durchgeführt und eine Evakuierung vorbereitet. Dementsprechend ist der logistische Bedarf gemessen an den anderen riesig. Die kontinuierliche Versorgung oder Bevorratung muss sichergestellt sein. 5 Tage erfordern hier 100l Frischwasser, 5 Liter Benzin zum Kochen sowie 50-80 Liter Benzin für einen kleinen Generator. Hinzu kommen noch einmal 25kg an Nahrungsmitteln. Wenn man jetzt medizinisches Material sowie persönliche Ausrüstung wie Schlafsäcke und Kleidung hinzurechnet, wird man schnell bei einem Gewicht von 300-400kg..
Die Role 1d ist hier ohne Bedeutung. In der Regel werden hier dezidierte Rettungsmittel eingeseingesetzt,ür Ihren Auftrag vorbereitet sind.
Keyfacts
- Der zeitliche und räumliche Abstand zwischen den einzelnen Behandlungsabschnitten sollte kurz gehalten werden.
- Der logistische Aufwand für eine PFC- Sitution kann enorm sein und zum Scheitern führen.
- Bei Ausrüstung und Material muss Gewicht gespart werden. Wasser, Nahrung und Brennstoff können nicht komprimiert werden.
- Improvisation und vielseitig verwendbare Ausrüstung reduzieren logistischen Aufwand und Gewicht.
- Feste Strukturen wie Häuser sparen Energie und Brennstoff.
Bildquellen
- Hütte Norwegen: © https://prolongedcasualtycare.de
- PXL_20260225_105535639: © https://prolongedcasualtycare.de
