SHEEP VOMIT – was kotzende Schafe mit PFC zu tun haben

SHEEP VOMIT (Schaf Kotze) ist ein weiteres Akronym, das den Helfer in der Prolonged Fieldcare Phase unterstützen soll. Aebhric O’Kelly und Jason Jarvis erzählen in einer Episode des COROM Podcast (HIER), dass sie mit der grundsätzlichen Herangehensweise an die Pflege im Rahmen des HITMAN Acronyms nicht zufrieden waren. Sie entwickelten deshalb in Malta ein Akronym, das sich detaillierter mit dem Thema Pflege im Feld beschäftigte. Das führte zu Sheep Vomit und erklärt, was kotzende Schafe mit PFC zu tun haben.  

Pflege in der Prolonged Fieldcare Situation

Pflege kann innerhalb einer PFC Situation einen deutlich positiven oder negativen Unterschied machen. Positiv deswegen, weil hier die Heilung des Patienten von der ersten Minute unterstützt werden kann. Eine Aktivierung des Patienten, die korrekte Wundbehandlung sowie die Versorgung mit Nahrung, Wasser und Schlaf machen sicherlich von der ersten Minute an einen großen Unterschied in der weiteren Genesung. Gleichzeitig stellt fehlende Hygiene, falsche Lagerung ohne Polsterung sowie fehlende körperliche Aktivierung ein hohes Risiko für den Patienten dar.

Hinzu kommt, dass Pflege ein Prozess ist, der vielfach rund um die Uhr mit hohen personellen und materiellen Ressource durchgeführt werden muss. So erfordert Pflege einen solide Planung, die sowohl die Ressourcen als auch Bedürfnisse des Patienten in den Blick nimmt. Deshalb wird sowohl in der deutsch- als auch in der englischsprachigen Literatur auf einen Care Plan verwiesen, der so angelegt sein muss, dass auch weniger erfahrene Teammitglieder Teile davon übernehmen können. Pflege ist nie von nur einem Teammitglied zu bewältigen. Als Eckpunkte hierfür dient das SHEEP VOMIT Akronym.

ÜbersetzungRhythmus im CARE Plan (nach Neitzel et al. )Mindestanforderung Material
SkinHautpflege4-24 h Vaseline, Seife, Babypuder
Hypo- / HyperthermiaTemperaturmanagementbeständigReady Heat, Schlafsack, Kühlpacks
Elevated HeadErhöhte Lagerung von Kopf und OberkörperbeständigRucksack, Decken
ExerciseMobilisierung2 h (bewusstlos)- 4h (wach)
Padding/ Pressure PointsDekubitusprophylaxebeständig, in Ausnahmen 4 hSchlafsäcke, imp. Luftpolster
Vital signsMonitoring aller Vital ZeichenbeständigBlutdruckmanschette, Fieberthermometer,
Oral- /Nasal HygieneMund und Zahn Hygiene12 hDesinfektionslösung, Zahnbürste, Kompressen
MassageMassage4 h
Ins / Outs Bilanzierung von Flüssigkeit und KalorienbeständigUrinflasche oder Urinbeutel
Turn / Cough /Deep BreathAtemtherapie zur Verbesserung und Aufrechterhaltung des Gasaustauschs4 h

Skin

Hautpflege in der Krankenpflege umfasst grundsätzlich 2 wesentliche Dinge. Einerseits muss die Haut gereinigt werden. Zum anderen sollen Hautpflegemittel die Haut schützen und ihre natürlichen Funktionen erhalten. Die Reinigung ist insbesondere im Bereich des Genitalbereichs und bei Hautfalten wichtig. Gleiches gilt auch für den Hautschutz. Hinzu kommen aber noch in der Prolonged Fieldcare Situation zwei weitere Punkte. Zum einen muss die Haut vor klimatischen Einflüssen wie Kälte oder Sonneneinstrahlung geschützt werden. Zum Anderen muss darauf geachtet werden, dass ein Schutz vor Insekten gegeben ist.

Hypo- / Hyperthermia

Die ständige Überprüfung der Temperatur des Patienten ist überlebenswichtig. Kälte und Hitze können sehr schnell zu einer Verschlimmerung der Situation führen. Die Zuführung von Wärme in Form von Bettflaschen oder Ready Heat Elementen ist dauerhaft sicherzustellen. Im schlimmsten Fall muss die Körperwärme einer weiteren Person genutzt werden. Das gleiche gilt sinngemäß auch für Hitze.

Elevated Head

 Neben einer Reihe von physiologischen Vorteilen ( bessere Atemtätigkeit, bessere Verdauung) sorgt die erhöhte Lagerung auch zu einer besseren mentalen Verfassung bei wachen Personen. Die Möglichkeit, seine Umwelt wahrzunehmen und mit anderen Leuten auf Augenhöhe zu kommunizieren, wird verbessert. Der Patient fühlt sich nicht mehr passiv.  

Exercises

 Die Mobilisierung umfasst aktiv und passiv alle Gelenke und Muskelgruppen, die nicht unmittelbar von einer Verletzung betroffen sind. Im Idealfall kann der Patient kurzzeitig aufstehen oder zumindest auf der Bettkante sitzen. Schwerkranke Patienten sollten passiv mobilisiert werden.

Padding/ Pressure Points

Eine Mischung aus Hygiene, Hautpflege, Bewegung und dem Abpolstern von Stellen, an denen knöcherne Strukturen nur wenig von Muskeln und Fettgewebe geschützt werden, soll Dekubitus vorbeugen. Dabei wird diese Problematik oft unterschätzt. Erste Anzeichen von Dekubitus können sich bereits nach 45 Minuten in einer Liegeposition zeigen.

Improvisierte Mittel zur Polsterung: Wassersack, Fleecejacke, Aufgeblasener Handschuh, Slishman Air Base

Vital Signs

 Das Messen und Dokumentieren von Vitalzeichen zeigt Probleme frühzeitig an und macht Erfolge sichtbar. Die steigende Körpertemperatur oder das Absinken des Blutdrucks sind schon zu einem Punkt messbar, an dem sich keine weiteren Symptome zeigen. Insofern sollten Puls, Blutdruck und Blutsauerstoff in regelmäßigen Abständen gemessen werden. Beim bewusstlosen (beatmeten) Patienten ist zwingend eine Kapnographie / Kapnometrie durchzuführen. Je nach Ausrüstung kann diese Diagnostik natürlich noch in regelmäßigen Abständen erweitert werden.

Oral Hygiene

Die Mundhygiene ist deshalb von so entscheidender Bedeutung, weil sich dort bereits vorhandene Keime in die Lunge absetzen und eine Lungenentzündung verursachen können. Ein wacher Patient ist deshalb dazu anzuhalten, seine Zähne zu reinigen. Geht das nicht mit einer Zahnbürste nicht, können Mundspülungen eingesetzt werden. Hier eignet sich besonders Chlorhexidindigluconat, da das Desinfektionsmittel gut auf Zähnen und Zahnfleisch haftet. Aber selbst ohne Hilfsmittel sollten die Zähne beim bewusstlosen Patienten zwingend gereinigt werden. Als Minimum können hier mechanisch mit einer angefeuchteten Kompresse die Zähne gereinigt werden.

Massage

 Massagen, insbesondere in den Beinen, dienen der Thromboseprophylaxe, da sie den venösen Rückfluss unterstützen. Gleichzeitig sorgen sie für eine bessere Lymphdrainage und können so für ein Abschwellen von Gliedmaßen sorgen. Abschließend sind sie eine Art von körperlicher Zuwendung, die das Patientenwohl unterstützen und so einen mentalen Impakt haben.

Ins/ Outs

Wesentlich bei der Bilanzierung ist zunächst einmal die Flüssigkeit, die den Körper wieder verlässt. Urin sollte durchsichtig oder blassgelb sein. Wenn man das ganze als Menge bilanzieren möchte, liegt hier der Normwert bei 0,5 bis 1 ml pro Stunde pro kg Körpergewicht. Zusätzlich zur Urinausscheidung muss man die Menge an Schweiß und Feuchtigkeit in der Atemluft abschätzen, die ein Körper pro Tag verliert. Die Versorgung mit Kalorien spielt in den ersten 48 Stunden nach einem Trauma noch keine Rolle. Erst danach sollte die Versorgung mit Kalorien mit 75% der berechneten Menge beginnen und sich innerhalb von 4-7 Tagen steigern. Dabei beträgt die Richtgröße bei Intensivpatienten 5kcal/kg Körpergewicht pro Tag. Bei der Herstellung von Getränken und man improvisieren . Es bietet sich eine einfache ORS Lösung zum Trinken und einfachen Brei zum Essen an. Bewusstlose Patienten müssen über eine Sonde versorgt werden.

Turn/ Cough / Deep Breath

Bei diesem Punkt ist alles erlaubt, was die Atmung verbessert. Bewusstlose und beatmete Patienten wird man häufig umlagern müssen, um die Lunge anders zu belasten. Wache Patienten sollten (Ab-) Husten, tief einatmen und gegen die Lippenbremse atmen.

Fazit

Das ganz Akronym stellt natürlich nur ein Einstieg in die absoluten Basics dar. Es soll ungeübte Nichtmediziner darin anleiten zumindest die rudimentären Grundlagen zu beachten und nichts zu vergessen. Grundsätzlich gibt es in der Pflege zu jedem der aufgeführten Punkte ganze Bücherregale an Fachliteratur. Es besteht also durchaus die Notwendigkeit, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und vor allem Pflege auch praktisch zu üben.

Das Material für die Pflege ist in dem Prolonged Fieldcare Kit enthalten. Den Artikel dazu findest du hier.

Quellen:

Taktische Medizin, Springer 2025

Prolonged Field Care – Field Handbook, Specialized Medical Standards

CPG 70 Nursing Interventions, Wound Care, and Splint Management in Prolonged Casualty Care, Joint Trauma System

Bildquellen

  • PXL_20251112_184014502: Eigenes Bild S.Vogt