MARCH PAWS Schema im Prolonged Field Care

Während sich das MARCH Schema wachsender Berühmtheit erfreut, fristet die Fortsetzung dieses Schemata (PAWS) ein Schattendasein. Es ist aber essentiell für PFC und PCC. In der entsprechenden Clinical Practice Guideline zum Prolonged Casualty Care des Joint Trauma System der US Armee findet sich deshalb die Erweiterung PAWS mit allen Erklärungen.

„There is no PFC without TCCC“

PAWS darf allerdings keinesfalls nur für sich alleine betrachtet werden. Das MARCH Schemata wird zunächst im TCCC abgearbeitet und stellt dann unter PFC (wie auch das zivile cABC Schema) im Laufe der Patientenbehandlung eine ständige Rückfall- und Bezugsebene dar. Atmung, Kreislauf und sonstige Parameter müssen beständig kontrolliert werden und sind im wahrsten Sinne des Wortes „lebenswichtig“.

MARC²H³-PAWS-L

Streng genommen handelt es sich nicht um MARCH – PAWS, sondern um MARC²H³-PAWS-L.

C und H haben also eine mehrfache Bedeutung, die es zu beachten gilt. L steht für Logistik und ist, wie man noch sehen wird, weitestgehend in der Übertragung auf ein ziviles Setting, uninteressant.

In diesem Artikel werden kurz die Inhalte von MARCH wiederholt, um einen Einstieg in die Situation zu geben. Im Weiteren gebe ich dann einen kurzen Überblick und die Fallstricke, die in PAWS für den zivilen Nutzer liegen können. Der Inhalt wird in weiteren Artikeln vertieft. Ein Vergleich mit cABC findet nicht statt.

M – Massive Hemorrage und MASCAL

Während im TCCC der einzelne Soldat noch im Zentrum steht, wird beim Prolonged Fieldcare zunächst empfohlen, die Situation auf ein Mass Casualty Incident (MANVMANV Massenanfall von Verletzten) hin zu überprüfen und zu triagieren. Hier muss ein Bezug zwischen den vorhandenen Ressourcen und den Verletzten hergestellt werden und bei einem deutlichen Ungleichgewicht triagiert werden.. Eine MASCAL (deutsch MANV) Situation kann schon bei 2-3 Schwerletzten entstehen, wenn Medikamente und Personal nicht ausreichen, um eine Versorgung über längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Parallel sollen bei M lebensgefährliche Blutungen gestoppt werden. Als Mittel kennt das TCCC den Einsatz von Tourniquets, Druckverbänden und das Tamponieren von tiefen penetrierenden Wunden ( Wound Packing).

Im PFC Fall werden hier bereits getroffene Maßnahmen überprüft bzw. ersetzt. Tourniquets können verrutschen, sind falsch angelegt oder werden aufgrund von Schmerzen durch Patienten gelöst. Hier ist eine erneute Anlage nötig. Gleichzeitig können Tourniquets ,je nach Situation, durch Druckverbände oder Blutsperren näher an der Verletzung ersetzt werden.

A – Airway

Initial wird hier ein freier Atemweg hergestellt. Sei es durch Lagerung (Stabile Seitenlage) oder durch den Einsatz von Tuben. Dabei wird im militärischen Kontext dem Wendl- Tubus (NPA für nasal pharyngeal airway) der Vorzug gegeben. Er bietet zwar keinen Aspirationsschutz, ist aber deutlich ressourcenschonender als z.B die endotracheale Intubation. Der Patient kann den NPA selbst bei intaktem Würgereflex tolerieren und braucht deswegen keine Narkose. Das spart Personal und medizinische Ressourcen in Form von Medikamenten und Technik.

Erweitert sehen die PFC Guidelines für tief komatöse Patienten noch Hilfsmittel wie Larynxmaske oder Larynx-Tubus vor. Als letzte Möglichkeit für einen dauerhaft sicheren Atemweg steht noch die Koniotomie zur Verfügung. Auch hier ist der Einsatz von Ressourcen geringer als bei anderen Methoden, das selbst ein wacher Patient eine Intubation über die Luftröhre tolerieren kann.

Langfristig ist bei PFC ein aktives Atemwegsmanagement notwendig und sehr aufwändig. Eine ständige Absaugbereitschaft sowie Pflege von Tubus und Mundraum sind zwingend. Gerade die Oralhygiene sollte nicht unterschätzt werden. Die Ausbreitung von Keimen aus dem Mundraum gefährdet den Patienten.

R – Respiration and Ventilation

Initial soll im Rahmen von MARCH hier auf jegliche Atemprobleme eingegangen werden. Neben dem völligen Fehlen der Atemtätigkeit kann es sich hier auch um eine insuffiziente Atmung handeln. Die Atemspende oder die Beatmung mit Beutel sind hier die Basismaßnahmen.

Im weiteren PFC Setting muss die Atmung überwacht werden (Pulsoximeter >92% / Kapnometrie) und entsprechende zu Grunde liegende Mechanismen behandelt werden. Hierzu könnten zum Beispiel die Rippenserienfraktur, der Pneumothorax oder die penetrierende Thoraxverletzung zählen. Eine dauerhafte Beatmung mit Beutel ist nach der CPG-Guideline möglich, setzt aber enorme Ressourcen und Fähigkeiten voraus.

C – Circulation and Resuscitation

Hier geht es innerhalb PFC darum, einen Schock zu vermeiden und einen normalen Kreislauf wiederherzustellen. Neben den Methoden der Blutungskontrolle, der Beckenschlinge und der Gabe von Tranexansäure/ Calcium stehen Blut und Blutprodukte als Mittel der Wahl zur Verfügung. Ziele dabei sind ein Blutdruck von systolisch größer 100 – 110 mm Hg, ein wacher Patient und eine Sauerstoffsättigung größer 92%.

Wie bereits unter M erwähnt, können Maßnahmen zur Blutungskontrolle angepasst oder verbessert werden. Ein entstehender Spannungspneumothorax sollte im Rahmen von erweiterten Maßnahmen temporär im TCCC oder dauerhaft im PFC entlastet werden. Entsprechende Krankheitsbilder, die mit grundsätzlichem Flüssigkeitsverlust einhergehen, sollen mit entsprechender kristalloider Lösung behandelt oder oral ausgeglichen werden. Ein spinaler Schock sollte mit Medikamenten behandelt werden.

C – Communication and Documentation

Unter C erweitert sich das MARCH zum zweiten Mal. Kommunikation und Dokumentation werden als synergetische Schritte beschrieben, die alle anderen Maßnahmen flankieren. Während im TCCC Verwundeten Karten zur Dokumentation verwendet werden, sollte im PFC eine Dokumentation der Vitalwerte über den ganzen Zeitraum stattfinden. Damit lassen sich Veränderungen im Zustand des Patienten frühzeitig erkennen und behandeln. Bei der Kommunikation spielt der taktische Führer eine große Rolle. PFC bindet viele Ressourcen und schränkt Beweglichkeit der Einheit ein.

Eine weitere große Rolle spielt der Kontakt zu unterstützendem medizinischen Personal. Eine telemedizinische Unterstützung verbessert die Chancen der Patienten erheblich und entlastet die Helfenden vor Ort.

H – Hypothermia and Hyperthermia

Bei Hypothermie wird festgestellt, dass der Schwerpunkt auf der Prävention liegen muss. Es ist in einer PFC Situation schwer bis unmöglich, Personen von außen wieder zu erwärmen. Dabei ist die Rettungsdecke lediglich ein erster Schritt. Schlafsäcke und sich aktiv wärmende Decken (Ready Heat) sind hingegen der Standard. Da Hypothermie in allen Klimazonen bei einem Schockgeschehen immer eine Rolle spielt, gehören diese Maßnahmen im PFC zum absoluten Standard.

Bei Hyperthermie in ihren verschiedenen Erscheinungsformen wird empfohlen, den Patienten aktiv durch Besprühen mit Wasser herunter zu kühlen. Um diese Maßnahme noch effektiver zu machen, soll den Patienten Luft gefächelt werden.

Bei beiden Krankheitsbildern ist eine kontinuierliche Temperaturmessung notwendig.

H – Head Injury

Bei den Kopfverletzungen stehen im Rahmen von TCCC die offenen Kopfverletzungen Fokus. Nach der vorsichtigen Entfernung möglicher kleiner Fremdkörper werden die Wunden abgedeckt, der Patient erhöht gelagert und beobachtet. Dies gilt auch für geschlossene Kopfwunden oder entsprechende Verdachtsfälle.

Erweiterte Maßnahmen im PFC sehen Diagnostik mit der Glasgow Coma Scale und dem MACE 2 Test vor (erweiterter neurologischer Test bei Kopfverletzungen).

Als Behandlung kommt dann eine forcierte Volumengabe zum Einsatz, mit dem Ziel, einen Blutdruck über 100 mm Hg zu erhalten. Soweit vorhanden, wird der Einsatz von hypertoner Kochsalzlösung und Sauerstoff empfohlen.

Zwischenfazit MARCH

Wenn man sämtliche Maßnahmen betrachtet, die im Rahmen von Prolonged Fieldcare empfohlen werden, fällt auf, dass es praktisch allen Krankheitsbildern Maßnahmen gibt, die auch Zivilisten mit kurzer medizinischer Ausbildung durchführen können. Ein First Responder oder Rettungshelfer beherrscht viele Maßnahmen und ist durchaus in der Lage, sinnvolle Hilfe in einer PFC Lage zu leisten. Hier zählt aber besonders, wie gut die Maßnahmen beherrscht werden und wie sicher man in der Diagnostik ist. Hier zahlen sich Übungen unter realen Bedingungen und Erfahrung in der Praxis aus. Invasive Maßnahmen, die von diesen Personen nicht beherrscht werden, stechen oft besonders in der Diskussion hervor, sind aber nicht zwingend in allen Fällen erforderlich. Ein Spannungspneumothorax, der entlüftet werden muss, ist zwar eine lebensbedrohliche Verletzung, kommt aber sehr selten im militärischen Kontext vor. Und noch seltener im zivilen Umfeld.

Trotzdem ist es mit der Zielrichtung einer längeren autarken Versorgung ohne zusätzliches ärztliches Personal hier wünschenswert, bestimmte invasive Maßnahmen zu beherrschen. Das Entlüften des Thoraxes, die Gabe von Flüssigkeit I.V. gehören hier sicher dazu. Zum Vergleich kann man hier das Fähigkeitsprofil eines entsprechenden Einsatzhelfers Bravo der Bundeswehr heranziehen. Auch hier wird nicht medizinisches Personal für den Notfall in invasiven Maßnahmen ausgebildet.

P – Pain

Die grundsätzlichen Handlungsanweisungen im TCCC bestehen zum einen aus der Gabe von Schmerzmitteln und zum anderen aus flankierenden Maßnahmen, die Schmerzen reduzieren sollen. Dazu gehören das Abdecken von Brandwunden und das Schienen von Brüchen. Die Schmerzmittel, die nach TCCC in der Kameradenhilfe gegeben werden sollen ist Acetaminophen (deutsch: Paracetamol) und Meloxicam. Diese Medikamente sind Teil des Pill-Packs, das an die Soldaten der US Armee ausgegeben wird und gemeinsam verabreicht werden. Die erzielte Wirkung reicht hier gegen milde bis moderate Schmerzen.

Erweiterte Maßnahmen im Rahmen von umfassen je nach Kenntnisstand und dem Möglichkeit von Monitoring eine Reihe von Medikamenten. Ohne Freigabe werden zum Beispiel Fentanyl- „Lutscher“ oder Ketamin gegeben, während Morphine, Dilaudid, Oxycodone und Midazolam extra freigegeben werden müssen.

Insgesamt wird eine schnelle Behandlung von Schmerzen im amerikanischen PFC Konzept bejaht. Das ist etwas, mit dem man sich unter zivilen Voraussetzungen sicher schwer tut. Der Arztvorbehalt, Medikamente verschreiben zu dürfen, blockiert hier schnell wirksame Maßnahmen. Und auch ein übergesetzlicher Notstand dürfte bei der Gabe von Paracetamol und Ibuprofen nur schwer nachzuweisen sein. Dennoch sollte man solche rezeptfreien Schmerzmittel nicht vernachlässigen. Sie wirken im besten Fall in der Kombination wie eine sehr milde Dosis Morphin und machen unter Umständen den Unterschied zwischen einem laufenden Patienten und einem Patienten, der getragen wird, aus. Wie also kann man ohne Gesetzesbrüche dem Patienten diese Medikamente geben?

Je nach Situation kann man im Vorfeld bereits Gruppenmitglieder darauf hinweisen, sich selbst mit diesen Medikamenten zu versorgen und sie mit zu führen. Im Zweifelsfall kann dann der Betroffene seine eigenen Medikamente zeitnah einnehmen. Die andere Möglichkeit besteht darin, einen Arzt per Telefon um eine entsprechende Verordnung zu bitten. Hier ist es sicher von Vorteil, wenn man die Gründe für die Gabe aufzeigen kann und genau über die vorhandenen Medikamente informiert ist.

Ketamin und Opiate werden hier bewusst ausgeklammert. Außer im professionellen Rettungsdienst werden diese Medikamente sicher nicht zur Verfügung stehen und bringen auch erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich.

Insgesamt lassen sich Schmerzbehandlungen aber auch im zivilen Bereich noch eskalieren, ohne Opiate zu verwenden.

So beschreibt das Oxford Handbook of Expedition and Wilderness Medicine folgende Eskalationsstufen in einer analgetischen Leiter:

SchmerzenMaßnahmenMedikamente
I. Leichte Schmerzenphysische Maßnahmen (z.B.Massage)Paracetamol
II. Mittlere Schmerzenphysische MaßnahmenParacetamol + Ibuprofen/ Diclofenac/ Naproxen
III. Nicht kontrollierbare Mittlere SchmerzenParacetamol + Ibuprofen + Codein
IV Schwere SchmerzenParacetamol + Codein
Tramadol
Morphine
Methoxyflurane (Penthrox)
Leitungsanästhesie

Die beschriebenen Medikamente sind in Deutschland zwar zum Teil verschreibungspflichtig, aber je nach Dosierung vom Betäubungsmittelgesetz ausgenommen (außer Morphine). Es gibt also zumindest im Bereich der mittleren Schmerzen eine Reihe von Medikamenten, die in einem PFC Fall genutzt werden können, und die entweder verfügbar (Ausland) oder einfacher zu erhalten sind.

Abschließend sind noch zwei Medikamente zu betrachten , die zur Behandlung schwerer Schmerzen eignen. Methoxyflurane (Penthrox) ist ein Stoff, der inhaliert wird und zu einer schnellen Schmerzlinderung führt. Der Patient steuert die Menge des Medikaments, das er selbst benötigt selber. Das Medikament soll bei der Bundeswehr eingeführt werden und kann relativ gefahrlos selbst von Ersthelfern eingesetzt werden.

Die zweite Behandlungsmethode ist die Leitungsanästhesie. Sie erfordert je nach Körperregion einen hohen medizinischen Kenntnisstand, um einzelne Nerven mit Betäubungsmitteln zu blockieren. Gleichzeitig sind die verwendeten Medikamente (z.B. Lidocain) in geringer Potenz rezeptfrei. Eine lokale oder regionale Betäubung wäre also bei entsprechender Ausbildung möglich.

Beide Methoden sind im ambulanten Bereich in Deutschland sicher nicht üblich, bieten aber für die Zukunft sicherlich sehr spannende Perspektiven.

A – Antibiotics, Sepsis and other Drugs

Die Gabe von Antibiotika wird nach dem PAWS Schema unmittelbar nach der Verletzung im Gefecht empfohlen. Einzige Vorgabe ist hier die tiefe Wunde. Es handelt sich also nicht um eine Behandlungsmaßnahme, sondern um eine präventive Maßnahme, um eine Infektion zu vermeiden. Als Medikament soll hier Moxifloxacin (1.Wahl) oder Ertapenem (2.Wahl) zum Einsatz kommen. Diese Medikamente werden als Pill Pack ausgegeben.

Die Bundeswehr überarbeitet hierzu gerade Ihre Handlungsvorschläge und scheint ein Antibiotikum aus der Gruppe Cephalosporine  zu bevorzugen.

Während oberflächlich betrachtet die Handlungsanweisungen innerhalb von MARCH-PAWS zunächst sehr einfach wirken, stellt sich die Gabe von Antibiotika als komplex dar. Unterschiedliche Keime benötigen zur Bekämpfung unterschiedliche Antibiotika. Die empfohlenen Breitbandantibiotika sind keinesfalls Allheilmittel, sondern stellen lediglich ein präventiven Kompromiss auf dem Schlachtfeld dar. Hinzu kommt, dass sich aufgrund des weltweiten und übermäßigen Einsatzes von Antibiotika oft Resistenzen ergeben, die für eine lokale Unwirksamkeit sorgen. Als Beispiel sei hier die Ukraine genannt, wo sich zahlreiche resistente Keime entwickeln.

Trotzdem sind im Rahmen von PFC Antibiotika unverzichtbar. Selbst wenn andere Therapien zur Heilung eines Patienten notwendig sind, kaufen Antibiotika Zeit oder sorgen zumindest dafür, das Risiko einer Sepsis zu reduzieren.

In der Übertragung auf den zivilen Sektor ergeben sich wieder ähnliche Probleme wie bei den Schmerzmitteln. Antibiotika fallen auch hier unter den Arztvorbehalt und sollten auch nur mit entsprechender medizinischer Beratung gegeben werden. Eine Ausnahme können Breitbandantibiotika darstellen, die für bestimmte Symptome bereits im Vorfeld verschrieben wurden. Das ist unter Umständen für Fernreisen interessant.

Eine weiterführende Beschäftigung mit Antibiotika empfiehlt sich allerdings trotzdem. Im Ausland sind Antibiotika oft frei verkäuflich, und ein grober Überblick über die Verfügbarkeit, die Wirkungsweise und mögliche Resistenzen ermöglichen im Austausch mit einem Mediziner eine bessere Versorgung.

Der Punkt Sepsis schließt sich unmittelbar den Antibiotika an. Zunächst geht es hier um eine sichere Diagnose von Sepsis und dann auf die Möglichkeiten, darauf reagieren zu können. Neben Antibiotika spielen hier die Gabe von Flüssigkeit (oral/ i.v), Paracetamol, sowie Blutdrucksteigernde Mittel eine Rolle. Hinzu kommen hier dann auch noch Medikamente, die therapeutisch ursächlich wirken.

Auf einen zivilen Sektor übertragen spielen hier sicherlich eine saubere Diagnostik eine wesentliche Rolle. Der NEWS Score, der Richtwerte für eine Sepsis vorgibt, setzt sich aus Vitalwerten zusammen, die jeder Sanitätshelfer problemlos erfassen kann und die man für ein Monitoring nutzen kann. Ebenfalls lassen sich einzelne Elemente der empfohlenen Behandlung sehr gut umsetzen. Die Gabe von Paracetamol und oraler Elektrolyte dürfte sicherlich rechtlich wenig problematisch sein, wenn der Patient das so wünscht.

Im weiteren werden im Rahmen von PFC eine Reihe von Medikamenten genannt, die eine Rolle bei der Versorgung von Patienten spielen können. Es werden Medikamente für Thrombosenprophylaxe, orale Rehydrationslösung , gegen Übelkeit und Verstopfung sowie zur Beruhigung empfohlen.

Viele dieser Medikamente sind in Deutschland frei verfügbar und bieten in der PFC/ PCC Situation erheblichen Mehrwert. An dieser Stelle soll jedoch nicht darauf eingegangen werden.

W – Wound Care and Nursing

Die Wundversorgung spielt im Rahmen von PAWS eine wesentliche Rolle. Während im normalen, zivilen Rahmen die Wundversorgung auf die Behandlung im Krankenhaus verschoben wird, ist die Wundbehandlung im TCCC schon umfangreicher. Hier wird die Spülung von abdominellen Wunden empfohlen. In den PFC Guidelines ist eine umfangreiche Wundbehandlung vorgesehen. Als ein Minimum wird empfohlen, die Wunde mit Trinkwasser zu spülen und kleinere Fremdkörper zu entfernen. Bessere Alternativen können die Spülung mit steriler Kochsalzlösung oder aseptischer Lösung sein. Teil der Wundversorgung ist hier auch ein regelmäßiger Wechsel der Verbände.

Eine Sonderfall nehmen im Rahmen von TCCC Brandwunden ein. Neben der Problematik von stärksten Schmerzen bildet die zerstörte Haut eine ideale Umgebung für Infektionen und bedingt unter Umständen lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlust. Hier empfehlen die Guidelines aggressiven Einsatz von Infusionen und Schmerzmittel. Ein Kühlen der Wunden findet sich hingegen hier nicht, sondern nur der Wärmeerhalt.

Denen folgen auch die PFC Guidelines. Hier wird allerdings die Behandlung von Brandwunden auf eine aktive Reinigung mit aseptischer Lösung und dem „schrubben“ schwerer Brandwunden erweitert. Die Ausscheidung von Urin in ausreichender Menge wird als Indikator für den ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit herangezogen. Auch hier spielt ein entsprechendes Monitoring eine große Rolle.

Auf den zivilen Sektor übertragen, dürfte die Behandlung schwerer Brandwunden eine besondere Herausforderung darstellen. Sie setzt im Idealfall eine große Menge Schmerzmittel / Betäubungsmittel und eine keimarme / keimfreie Umgebung voraus. Trotzdem ist die Reinigung von Brandwunden sicherlich unerlässlich und auch eine orale Hydration sollte unbedingt begonnen werden.

Der Bereich Nursing fasst praktisch alle Tätigkeiten zusammen, die klassisch mit der Krankenpflege in Verbindung gebracht werden können.

Sie kommen in den TCCC Guidelines praktisch nicht vor. Außer das der psychischen Betreuung und dem Wärmeerhalt ein gewisser Stellenwert eingeräumt werden muss, spielen in kurzfristigen Situationen die Krankenpflege keine Rolle. Die PFC Guidelines zählen allerdings prominent etliche Aufgaben auf, die durch die Krankenpflege abgedeckt werden müssen. So ist die Pflege von Haut, Lippen, Zähnen ein wesentlicher Bestandteil. Bei bettlägerigen Personen spielt zusätzlich die Lagerung, das Abhusten von Schleim sowie die Möglichkeit „aufs Klo zu gehen“ eine große Rolle. Hinzu kommt die psychische Betreuung und die Kontrolle und Fortführung sämtlicher medizinischer Maßnahmen.

Bei der Übertragung auf den zivilen Sektor ergeben sich kaum Problempunkte. Es sind keine invasiven Maßnahmen bei Patienten nötig, die ansprechbar sind , und eine grundsätzliche Pflege lässt sich auch von Personen durchführen, die wenig trainiert sind.

Schwierig ist die Betreuung von Schwerkranken und Intensivpatienten. Beatmung und die Pflege eines chirurgischen Atemwegs lassen sich nur von ausgebildeten Personen leisten.

S – Splinting and Fracture Management

Die TCCC Guidelines sehen eine Schienung gebrochener Extremitäten und das Anlegen einer Beckenschlinge vor. Explizit wird hier noch einmal die Kontrolle des Extremitäten Pulses nach der Maßnahme erwähnt.

Die PFC Guidelines legen darüber hinaus einen besonderen Wert auf das Auspolstern von Liegen und Schienen sowie auf die Vermeidung von Druckstellen. Hinzu kommt der sichere Transport von Patienten.

Auf den zivilen Sektor übertragen, übergibt sich hier keine Änderung im Ansatz. In Anbetracht, dass bereits nach 30 Min erste schmerzhafte Druckstellen entstehen können, muss hier ein besonderes Augenmerk auf eine gute Polsterung gelegt werden. Die Vorstellung, Brüche mit ein paar Latten und etwas Klebeband schienen zu können, wird durch solche Vorgaben schnell ins Reich der Fantasie verbannt. Eine Alu Polsterschiene ist sicher kein Luxus.

L – Logistics

Unter Logistik fassen TCCC und PLC Guidelines die Prozeduren zusammen, um einen Patienten an die nächste Behandlungsebene zu übergeben. Während bei TCCC eine Verwundetenkarte ausgefüllt wird, ist es bei PLC bereits eine zusätzlich eine Tabelle oder umfangreiche Dokumentation. Hinzu kommen Handover-Protokolle und Maßgaben zur Sicherung von Patient und Material.

Übertragen auf den zivilen Sektor bietet eine Verlaufsdokumentation sicherlich einen riesigen Vorteil für die weitere Behandlung. Insofern kann man hier die entsprechenden Dokumente hinzuziehen. Ein einheitliches Vorgehen bei der Übergabe setzt gewisse Standards voraus, die bei der Vielzahl der Akteure nicht gegeben sind. Hier ist vielleicht eine kurze Übergabe nach dem ATMIST Schema initial erst einmal ausreichend und die übernehmende Stelle kann in weiteren Fragen stellen bzw. erhält weitere Vitaldaten in einer Dokumentation.

Fazit

Die Auseinandersetzung mit PLC Situationen anhand des MARCH–PAWS-L Schemas macht durchaus Sinn und kann als allererster Baustein verstanden werden. Aufbauend darauf kann man für sich selbst Lernfelder definieren, die einer weiteren Einarbeitung und Übung bedürfen. Je nach eigenem Wissen und Fähigkeiten lässt sich so eine Vorbereitung auf eine mögliche PFC Situation gestalten. In der Situation selbst lässt sich dann das Schema abarbeiten und der Helfer hat die Sicherheit, eine grobe Richtschnur für sein Handeln zu haben.

Quellen

  • Death on the battlefield (2001-2011): implications for the future of combat casualty care
  • Brian J Eastridge et al. J Trauma Acute Care Surg. 2012 Dec.
  • Podcast taktische Medizin der Bundeswehr