Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Empfehlungen. Diese sind individuell zu prüfen. Für die Durchführung ist ausschließlich die behandelnde Person verantwortlich.
Bei Fieber handelt es sich um ein Symptom einer Krankheit. Eine Krankheit selbst ist Fieber also nicht. Betrachtet man Fieber nicht nur als Symptom, sondern als physiologischen Effekt im Rahmen einer Krankheit wird klar: Fieber ist eine sinnvolle und krankheitsabwehrende Maßnahme des menschlichen Körpers. Bis auf wenige Ausnahmen können wir davon ausgehen, dass der Körper Fieber bewusst reguliert. Das heißt, dass es auch unschädlich für den eigenen Körper bleibt. Das Fiebermanagement sollte vom Zustand des Kindes abhängig gemacht werden, nicht von der Temperatur.
Inhaltsverzeichnis
Fieber bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen spricht man ab einer Körpertemperatur von 38,5°C als Fieber. Nur bei Kindern unter 3 Monaten spricht man bereits bei einer Körpertemperatur von 38°C von Fieber.
| Alter | Fieber |
|---|---|
| Kinder jünger als 3 Monate | 38,0°C |
| Kinder ab 3 Monate und Jugendliche | 38,5°C |
Alles unterhalb der Temperaturen gilt als erhöhte oder subfibrile Temperatur.
Körpertemperatur beim Kind richtig messen
Nicht alle Messmethoden und Thermometer eigenen sich für jedes Alter. Steht uns im Rahmen unserer Prolonged Field Care Situation nicht das geeignete Thermometer zur Verfügung, muss klar sein, dass die Messergebnisse ungenau sein können. Sind wir mit Kindern und Jugendlichen unterwegs, sollten die Thermometer entsprechend ausgewählt werden. Von Stirnthermometern würden die Autoren im Prolonged Field Care immer abraten.
Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte die Temperatur rektal gemessen werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird die Messung im Ohr empfohlen. Das Messen unter der Zunge ist ungenauer, was auch für das Stirnthermometer zutrifft. Die axillare Messung ist die ungenauste und eher ungeeignete Methode.
| Alter | Po | Ohr | Stirn | Mund | Achseln |
|---|---|---|---|---|---|
| Neugeborene | Ja | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Säuglinge | Ja | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Kinder | Ja | Ja | Ungenauer | Ungenauer | Nein |
| Jugendliche | Ja | Ja | Ungenauer | Ungenauer | Nein |
Bei begrenzten Platzverhältnissen wird ein einfaches Digitalthermometer empfohlen. Die kompakten Geräte werden im Schnitt mit 40g Gewicht angegeben und lassen sich auf engem Raum verpacken.
Warnzeichen bei Fieber
Die folgenden Warnzeichen machen eine Intervention notwendig und sollten im Rahmen unseres Fiebermanagement regelmäßig reevaluiert werden:
- Vigilanzminderung (Benommenheit, Orientierungslosigkeit, starke Schläfrigkeit)
- Reagiert empfindlich auf Berührungen
- Starke Schmerzen
- Schrilles Schreien
- Hauteinblutungen (achte auf Füße und Hände)
- Schweres Krankheitsgefühl, auch von den Eltern beschrieben
- Dehydration (achte auf Ausscheidungen)
- DyspnoeDyspnoe Atemnot und TachypnoeTachypnoe Hohe Atemfrequenz
- Allgemein Kinder unter 3 Monate mit Fieber
- Fieber länger als drei Tage
Therapie bei Fieber
Die S3 Leitlinie zum Fiebermanagement im Kinder- und Jugendalter gibt klare Empfehlungen zur medikamentösen Therapie:
Fieber bei einer Infektion ist normalerweise selbstlimitierend.
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) et al. (2025)
Bei zuvor gesunden fiebernden Kindern und Jugendlichen
gibt es keine Indikation, das Fieber aufgrund der Höhe der
Temperatur zu senken.
Fieber soll nicht gesenkt werden, außer es gibt Warnzeichen. Auch zum Schmerzmanagement und zur Verbesserung des Befindens können fiebersenkende Schmerzmittel verabreicht werden.
Fiebersenkende Medikamente sollten nicht mit dem
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) et al. (2025)
alleinigen Ziel verwendet werden, die Körperkerntemperatur
bei Fieber zu senken, sondern nur zur Schmerzlinderung und
Verbesserung des Befindens.
Ibuprofen (ab dem Alter von 3 Monaten) oder Paracetamol
können bei Kindern und Jugendlichen, die vom Fieber stark
beeinträchtigt sind, zur Anwendung kommen und sollen nur
so lange verabreicht werden, wie die Beeinträchtigung
anhält.
Wichtiger als eine medikamentöse Therapie ist der Umgang mit dem kindlichen oder jugendlichen Patienten. Liebe und Zuwendung, eine ruhige Umgebung und ungestörter Schlaf unterstützen das Kind bei der körpereigenen Krankheitsabwehr. Dem Kind soll regelmäßig Flüssigkeit angeboten werden. Wadenwickel oder andere Hausmittel können für das Wohlbefinden genutzt werden, aber nicht zum Ziel das Fieber zu senken.
Ist dem Kind zu warm oder zu kalt soll diesem Empfinden gefolgt werden.
Ausstattung
Sind in der Prolonged Field Care Situation auch kranke Kinder und Jugendliche zu erwarten, muss dies in der Ausstattung berücksichtigt werden. Daher an dieser Stelle eine passende Zusammenfassing.
- Mindestausstattung: digitales Thermometer
- Bessere Ausstattung: digitales Thermometer und Ohrthermometer
- Beste Ausstattung: Monitoreinheit mit Temperatursonde
Als Medikation sollte altersentsprechend Saft eingepackt werden.
Weitere Informationen
Die S3- Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen richtet sich an medizinisches Fachpersonal, lässt sich aber recht verständlich lesen. Weitere Informationen sind hier zu finden: S3- Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen. Es gilt zu bedenken, dass es sich um eine Leitlinie für die Häusliche Situation und die Klinik handelt. Die Übertragbarkeit der Empfehlungen muss individuell auf die eigene Situation geprüft werden.
Quellenangaben
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e. V., Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie e. V. (GPOH), Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e. V. (DGPI), Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ), Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Deutschland e. V. (BEKD), Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. (DEGAM), Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Immunologie e. V. (API), Deutschen Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie e. V. (DGAAP), Gesellschaft für Neuropädiatrie e. V. (GNP), Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC), Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. (BVÖGD), Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG), Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie e. V. (DGP), Patientenorganisation für angeborene Immundefekte e. V. (DSAI), Niehues, T. & Martin, D. (2025). Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen. In S3-Leitlinie. https://register.awmf.org/assets/guidelines/027-074l_S3_Fiebermanagement-Kinder-Jugendliche_2025-07.pdf
