Die 10 Kernkompetenzen des Prolonged Fieldcare

Eine der wesentlichen Grundlagen des Prolonged Fieldcare ist die Definition der 10 Kernkompetenzen des Prolonged Fieldcare, die die Prolonged Fieldcare Workinggroup vorgenommen hat. Diese beschreiben 10 Arbeitsfelder, die innerhalb eines PFC Falls bei den Streitkräften bearbeitet werden müssen. Dabei werden die Bereiche mit Fähigkeiten und benötigter Ausrüstung verknüpft.

Ruck, Truck, House and Plane

Innerhalb der beschriebenen Felder werden zusätzlich noch einmal Anforderungen definiert, die auf die entsprechenden Verbringungsarten bzw. räumliche Möglichkeiten zugeschnitten sind. Beispielsweise wird ein Sanitäter im Feld in seinem Rucksack keinen klinischen Patientenmonitor mit sich führen. Er wird sich vielmehr auf eine Blutdruckmanschette und ein Pulsoximeter verlassen müssen. Gerade die klare Zuordnung zu den Transportmitteln gibt dem militärischen Sanitäter schnell einen Überblick, was wohin gehört und entlastet ihn beim Planungsprozess. Ein Ruck ist dabei der Sanitätsrucksack, der Truck ist das erste (improvisierte) Evakuierungsmittel, ein House entspricht einer ersten improvisierten Behandlungseinrichtung und Plane ist das dezidierte Evakuierungsmittel zur Regelversorgung Diese Einfachheit im gesamten macht das Konzept so wertvoll für den zivilen Anwender, da es für die Behandlung und Überwachung für Patienten immer auch Vorgaben gibt, die auf einfachste Instrumente und Maßnahmen aufbauen.

Minimum, Better, Best

Die zweite Ebene, die in dem Konzept eingeführt wird, ist die Ebene des Minimum, Better, Best. Hier wird zwischen einer absoluten minimalen Versorgung, dem nächstmöglichen Verbesserung und dem Idealfall unterschieden. Auch hier bietet das Konzept eine gute Hilfestellung. Der Sanitäter bleibt nicht in der Vorgabe einer klinischen Maximalversorgung stecken, sondern kann sich über die Stufen einen guten Überblick verschaffen und nach seinen Möglichkeiten handeln.

Die 10 Kernkompetenzen des Prolonged Fieldcare

1. Monitoring2. Volumentherapie3.Beatmung und Oxygenierung4. Atemwegskontrolle5. Analgesie und Sedierung
MinimumBlutdruckmanschette, Stethoskop und PulsoximeterKristalloide KolloideBeatmungsbeutel und Peep VentilGüdel- und Wendeltubus, Konitomiei. v.- Opioide
BetterMinimum + KapnometrieMinimum + WarmblutspendeMinimum + SauerstoffMinimum + ET IntobationMinimum + Ketamin u. Midazolam
BestBetter + Patientenmonitor mit DefiBetter + PRBC, FFPBetter + BeatmungsgerätBetter + Rapid Sequenz IntubationBetter + Lokalanästhetika
RuckPulse Oximeter, Stirnlampe2x 250ml 0,9 % NaCl Infusionslösung, Blutspende KitBeatmungsbeutel und Peep VentilKoniotomie Set, Supraglottischer, Atemweg, Ketamin (IM) und LidocaineFentanyl „Lolli“, Opiate zum einnehmen, Ketamine IV + IM
TruckBlutdruckmanschette, Stethoskop, Kapnometrie und kleinen PatientenmonitorRinger Lösung, Blutspende Kits, NaCl 3%SAVent oder Save 2 (Beatmungsgerät mit Turbine)Koniotomie Set, Supraglottischer, Atemweg, Ketamin (i.v. in Infusionslösung) Ketamine IV und Midazolam
HouseTruck + Defibrillationweitere Ringer Lösung, Blutspende Kits, NaCl 3%Impact Vent (Beatmungsgerät ) und SauerstoffKoniotomie Set, Supraglottischer, Atemweg, Ketamin (i.v. in Infusionslösung) , BenzodiazepineKetamine IV und Midazolam
PlaneHouseweitere Ringer Lösung, Blutspende Kits, NaCl 3%Impact Vent (Beatmungsgerät ) und SauerstoffAusreichend für doppelte Evakuierungszeit : Koniotomie Set, Supraglottischer, Atemweg, Ketamin (i.v. in Infusionslösung) , BenzodiazepineAusreichend für doppelte Evakuierungszeit : Ketamine IV und Midazolam

6. Diagnostik7. Pflege und Hygiene8.Chirurgische Interventionen9.Telemedizin10. Flug- und Evakuierungsvorbereitung
MinimumKörperliche Untersuchung, GlucometerDer Patient ist sauber, warm, trocken, gepolstert und hat einen KatheterThoraxdrainage, KoniotomieDie Möglichkeit Verbindung aufzunehmen, den Patienten vorzustellen und vitale Werte zu übermittelnkenne der möglichen Komplikationen der Evakuierung per Luftfahrzeug
BetterUltraschall und Point of Care Tests, Urin- Sticks Minimum + saubere Magen- / Nasensonde,
erhöhter Kopf
Minimum + FasziotomieMinimum + Übermittlung von Ultraschallaufzeichnungen und LabordatenAusgebildet in Intensivtransport
BestErweitertes Training und Erfahrungen mit alle möglichen diagnostischen Tests, BGA ( z.B. IStat)Behandelter Sanitäter ist mit allen Belangen der Pflege vertraut und kann Pflege bestmöglich umsetzenBetter + Darüber hinausgehende Operationen wie Amputationen, Wund DebridementsVideokonferenzenErfahren in Intensivtransport
RuckUrin Sticks, Fluorescein StripsFoley Kit, Kerlix Mull, PolstermaterialKoniotomie Set, Thoraxentlastung mit NadelHandy und Schema für AnrufCheckliste Evakuierung
TruckBlutentnahmeset für spätere TestsGepolsterte Trage, NasensondeSet für ThoraxdrainageRuck + Satelliten Telefon und FunkgerätCheckliste und Ausrüstung für Evakuierung
HouseBlutentnahmeset für lokales Labor, Liege mit aufstellbarem Kopfende, Pflege Set, SchlafsackChirurgische MinimalaustattungVerschlüsselte Kommunikation, EmailErweiterte Ausrüstung für Evakuierung
PlaneGepolsterte Trage, SchlafsackKoniotomie Set, Thoraxentlastung mit NadelÜber Verbindung des Flugzeugs

Fazit

Die 10 Kernkompetenzen des Prolonged Fieldcare stellen eine vielfältige Arbeitshilfe dar. Dabei kann man sie auf verschiedene Art nutzen. Zum einen ist es eine Ausrüstungsliste, die definiert, was wann und wie mitgeführt werden muss. Zum anderen definiert sie aber auch Fähigkeiten, die bei einem Sanitäter vorhanden sein müssen, um bestimmte Level zu erreichen. Für den zivilen Bereich werden, wenn überhaupt, nur Notfallsanitäter in den Genuss kommen, bestimmte Fähigkeiten in Deutschland zu erlernen. Dennoch lässt sich auf jedem Ausbildungsstand die Liste als Vorlage nutzen, um besser auf eine mögliche Prolonged Fieldcare Situation vorzubereiten. 

Taktische Medizin, Springer 2025

Position Paper – 10 Essential Core Capabilities for Prolonged Field Care – ProlongedFieldCare.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert