Prolonged Fieldcare ist leider ein Themenbereich in der Sich nur sehr wenig in der deutschen Literatur findet und auch das Angebot an Kursen in deutscher Sprache ist momentan sehr begrenzt. Diese Homepage hat sich zur Aufgabe gemacht Prolonged Fieldcare auch in Deutschland bekannt zu machen und wesentlich Informationen bereit zu stellen. Trotzdem gibt es etliche Wege sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich auf eine mögliche Prolonged Fieldcare Situation vorzubereiten. Hier sind also 7 Wege Prolonged Fieldcare zu lernen- 5 davon gratis.
1. Lerne medizinisches Englisch !
Machen wir uns nicht vor, das US Militär ist die treibende Kraft hinter Prolonged Fieldcare. Deswegen sind alle wesentlichen Texte und aktuelle Diskussionen zu diesem Thema auf Englisch. Diese Sprache zu lerne macht immer Sinn und eröffnet einem den Zugang zu einer Reihe von Ressourcen. Hilfsmittel wie Google Translate zu nutzen, mag für den Einstieg vielleicht hilfreich sein, führt aber auf Dauer auch zu reichlich Fehlern. Besser ist es, sich langsam der Materie zu nähern und Schritt für Schritt medizinische Vokabeln zu lernen. Eine gute Möglichkeit sind die Basic und Advanced Wilderness Life Saver Kurse der Universität von Utah. Hier kann man mit einfachen, für Laien geschriebenen medizinische Texte, Wilderness Medicine lernen. Das ganze Programm ist kostenlos und man kann mit Testaufgaben sein Wissen und Verständnis der Texte überprüfen. Lediglich die Prüfung für ein Zertifikat muss bezahlt werden.
Hier geht es zu den AWLS Kursen: Wild Med U
2. Werde Sanitäter!
Eine verlässliche Ausbildung, egal ob Rettungshelfer, Einsatzsanitäter, Betriebssanitäter oder Rettungssanitäter, ist Pflicht. Abgesehen von einer soliden Ausbildung erhält man einen Einblick in die Praxis und lernt die erweiterten Basics direkt am Patienten. Durch eine Mitarbeit in einer Hilfsorganisation oder die Mitarbeit im Betrieb kann man hier viel Geld für die Ausbildung sparen, da die Kosten oft von Arbeitgeber oder Hilfsorganisation übernommen werden.
3. Lerne Pflege !
Prolonged Fieldcare ist zu einem sehr großen Teil Pflege. Auch wenn das Bild eines High Speed Operators mit Helm und Schutzweste und viel Ketamin in vielen Köpfen verankert ist, sieht die Realität oft anders aus. Grundzüge der Krankenpflege sind absolute Grundlage und menschliche Zuwendung muss oft Medikamente ersetzen. In Deutschland gibt es hierzu einen schnellen und kostenlosen Weg, um zumindest mit Grundzügen der Pflege vertraut zu werden. Die Krankenkassen bieten über Hilfsorganisationen und private Anbieter digitale Kurse zur Pflege von Angehörigen an. Diese werden für Teilnehmer kostenlos angeboten. Wer weiter Erfahrungen sammeln will, sollte schauen, ob er dazu ein Praktikum machen kann. Selbst ein paar Wochenendschichten können einen unglaublich weit bringen.
4. Übe die Basics!
Ein wesentlicher Bestandteil von Prolonged Fieldcare ist Monitoring. Während im Rettungswagen für Blutdruck Sättigung und EKG nur mal eben kurz auf den Kopf gedrückt wird, ist das im Notfall ohne Strom deutlich komplizierter. Eine Kurze Untersuchung mit Primary und Secondary Assessment ( cABC.. + Sampler) sollte in 3 Minuten durch sein. Zu einfach? Dann gerne auch hinten im Auto auf einem holprigen Waldweg oder bei Minusgraden in einer zugigen Grillhütte. Schnell findet man dann heraus, was noch geht und was nicht.
Neben der Diagnostik lassen sich auch Aufgaben wie Verletztentransport, Lagerung und Verbände üben.
5. Übe Outdoor Basics!
In allen Veröffentlichungen des amerikanischen Militärs wird nicht über nicht medizinische Grundlagen gesprochen, die Soldaten während ihrer Ausbildung bereits gelernt haben. Diese sind aber eine Voraussetzung, um in einer Prolonged Fieldcare Situation zu bestehen. Das Ziel muss sein, soviel Handlungssicherheit in einer Ausnahmesituation zu entwickeln, dass man sich voll auf die medizinische Aufgabe konzentrieren kann.Der englische Satz „Getting comfortable, with being uncomfortable“ fasst das sehr gut zusammen.
Die amerikanischen Streitkräfte sprechen hier von Fieldcraft, die Bundeswehr vom Leben im Felde. Diese Voraussetzungen sind bei einem Zivilisten(sofern er nicht gedient hat) so nicht gegeben. Man sollte also hier ansetzen und sich grundsätzliche Dinge aneignen und diese auch erproben. Wesentliche Fähigkeiten sollten dabei sein:
- Orientierung und Kartenlesen
- Wasseraufbereitung
- Zubereitung von Nahrung
- Bau und Betrieb von Behelfsunterkünften / Medizinischen Einrichtungen
- Kennen lernen von alle möglichen Verbringungsarten (Offroad Fahrzeuge, Boote, zu Fuß)
Wirkliche Erfahrungen wird man in all diesen Feldern nur dann sammeln, wenn man mehrere Tage wirklich in der Situation war, sich auf seine eigenen Fähigkeiten und benötigte Material verlassen zu müssen. Das einmalige Übernachten im Wald reicht nicht aus.
6. Investiere in Wissen!
Auch wenn es wenig dezidiertes Wissen zum Thema PFC gibt, macht es Sinn, sich regelmäßig in den Feldern der Notfallmedizin, der Tropenmedizin und den medizinischen Grundlagen fortzubilden. Das können Bücher, Apps oder Kurse sein, die das eigene Wissen und Können erweitern. Als ein guter Einstieg kann hier das Buch „Mensch, Körper, Krankheit“ dienen. Es führt auf Krankenpfleger/ Notfallsanitäter Niveau in die wichtigsten anatomischen, biologischen und physiologischen Zusammenhänge ein.
Wer sich intensiv direkt mit der Thematik auseinandersetzen will, findet bei Pro-Medi das einzige deutsche Kurskonzept mit dezidierten PFC Anteilen. Andere Anbieter bieten „für Anfänger“ Outdoor Erste Hilfe Kurse an, was ein guter Einstieg sein kann.
Besser sieht es im Ausland aus. Hier gibt es eine Reihe von Kursanbietern Kurse und sogar ein Studium in diesem Bereich anbieten. Corom in Malta oder World Extreme Medical sind hier in Europa sicherlich die prominentesten Anbieter.
7. Mach ein Auslandspraktika!
Im Ausland gibt es eine Reihe von Institutionen und Schulen, die Kurse für Medizin außerhalb der Zivilisation anbieten. Diese Kurse sind oft mit der Möglichkeit verknüpft, (kostenpflichtige) Praktika in einfachen medizinischen Einrichtungen zu machen. Anbieter sind hier zum Beispiel COROM, RED MED oder PPA-international. Als ausgebildete Fachkraft (ab Rettungssanitäter aufwärts) bieten auch Hilfsorganisationen eine gute Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu machen.
Fazit
Ein ehemaliger Special Forces Soldat und Paramedic formulierte in einem Vortrag ein mal die rethorische Frage und die Antwort darauf: “ What makes the Special Forces so special? They master the Basics so well“. Nach diesem Moto sollte man auch PFC lernen. Einfache Dinge unter allen Umständen sicher zu beherrschen dürfte mehr Sinn machen als High- End Prozeduren einmal auszuprobieren.
Interessiert daran, in Zukunft Prolonged Fieldcare zu lernen? Eigene Ideen zu diesem Thema? Dann schreib uns gerne eine Email.
